[Rezension] Im Krebsgang - Günter Grass

Samstag, 28. Dezember 2013



Deutsche Ausgabe


Seiten: 216
Erschienen: 2002
Taschenbuch: 9,90€
Band: Einzelband


Inhalt

"Diese Geschichte fing lange vor mir, vor mehr als hundert Jahren an, und zwar in der mecklenburgischen Residenzstadt Schwerin.! Hier wird 1895 jener Mann geboren, der später als "Blutzeuge" gefeiert und einem Schiff den Namen geben wird, dessen Untergang am 30. Januar 1945 die größte Katastrophe in der Geschichte der Seefahrt darstellt. Das ehemalige Kraft-durch-Freude-Passagierschiff "Wilhelm Gustloff" mit Tausenden von Flüchtlingen und Soldaten an Bord wird von Torpedos eines sowjetischen U-Boots versenkt, schätzungsweise fünf- bis neuntausend Menschen finden in der eisigen Ostesee den Tod. Eine der Überlebenden des Grauens ist die hochschwangere Tulla Pokriefke aus Danzig. Ihr in jener Nacht geborener Sohn Paul, Journalist und Chronist der Geschichte, stößt eines Tages zufällig auf die brisante Internet-Seite "Kameradschaft Schwerin", die ihn fortan umtreibt. Dabei fördert er ein menschliches Drama zutage, das bis in unsere Gegenwart hineingreift und nicht zuletzt seine eigene Familie tangiert.


Cover

Ich weiß nicht. Irgendwie will mir weder Titel noch Cover gefallen, auch wenn es ja irgendwie zur Erzählweise passt.


Meine Meinung

Ja, danke Deutschunterricht für diese Lektüre. Schulbücher haben ja eh schon immer gleich so einen Stempel aufgedruckt nach dem Motto "Ihr lest mich im Unterricht? Dann muss ich auch noch extra schlecht und doof sein, um euch so richtig schön zu quälen!" xD Genau diese Vorstellung hatte ich sofort bei diesem Buch - äh, sorry, NOVELLE. Dann haben wir jedoch den Film "Nacht fiel über Gotenhafen" gesehen und irgendwie erschien mir ein Buch, das den untergang der Gustloff thematisiert gar nicht mal so schrecklich zu sein. Also begann ich zu lesen (ja, auch weil wir es mussten) und ich war schockiert. Ich dachte, ich lese eine Biografie! Auf den ersten 10 Seiten werden einem gefühlt 50 Personen so detailliert wie möglich vorgestellt. Sich all diese Informationen zu merken und diese dann später auch den richtigen Personen zuzuordnen stellte sich als ziemlich schwierig heraus.
Nunja, aber man kann sich ja daran gewöhnen eine Art Biografie zu lesen. Aber gerade als man sich daran gewöhnt hatte, tauchte Tulla auf, die in extremen Preußisch spricht. Das zu lesen war ebenfalls sehr anstrengend. Dazu kommt, dass der Ich-Erzähler Paul einfach nur extrem nervig ist. Beschuldigt alles und jeden dafür, dass er ein so schlechtes Leben habe und dass er ja ein Versager sei, aber dass er vielleicht selbst daran Schuld sein könnte, daran denkt er einfach Mal gar nicht. Ich war wirklich regelrecht genervt von ihm.
Man liest als Biografien. Realen, aber auch fiktive und man liest viele Informationen. Auf den ersten 160 Seiten gibt es gefühlt einfach keine Handlung. Dazu wird "im Krebsgang" erzählt. Das heißt Paul erzählt mal einen kleinen Ausschnitt aus der Handlung um Wilhelm Gustloff, springt dann zu seiner Mutter Tulla, dann zu seinem Sohn, erklärt dann schnell, was David Frankfurter gemacht hat, als Alexander Marinesko gerade dort war. Extrem verwirrend!
Hat man diese ersten 160 Seiten dann aber geschafft, wird die Handlung einigermaßen spannend. Denn Paul erzählt nun hauptsächlich die Geschichte über seine Familie, vor allem über seinen Sohn Konny und die ist wirklich schockierend. Denn Konny ist durch Tullas Erzählungen rechtsradikal geworden und erschießt einen vermeintlichen Juden. Dies ist wirklich spannend, man fiebert als Leser mit und es ist ein Höhepunkt. Auch das Ende fand ich gut.

Allerdings stört mich Paul an sich, die Erzählweise und der Punkt, dass nur die letzten 50 Seiten spannend sind.
Ja, es handelt sich mit dem Rechtsradikalismus und dem Untergang der Gustloff um ein ernstes Thema und man sollte nicht zu leichtfertig damit umgehen. Dennoch hat mir diese Novelle, die ja etwa zur Hälfte auf wahren Begebenheiten beruht, einfach nicht zugesagt. Natürlich ist es wichtig, über so etwas zu schreiben, zu reden und so etwas zu lesen, aber ich denke andere Bücher wären dazu besser geeignet :) Diese legen vermutlich auch ihren Hauptschwerpunkt auf den Untergang des Schiffes. "Im Krebsgang" war dieser Handlungsstrang gefühlt eher nebensächlich.

Dennoch:

3/10

Kommentare:

  1. Na mensch, immerhin 3 Punkte :D
    Schulbücher sind schon eine Sparte für sich xD Das geht mir aber auch immer so, das ich Schulbüchern gegenüber Vorurteile habe ^^ Bisher habe ich EIN gutes Schulbuch gelesen - in der Sechsten Klasse "Level 4", das war ziemlich gut :D
    Aber nachdem ich dieses Jahr "Antigone" gelesen habe, habe ich eine neue Definition des Wortes "Schulbuch-Schlecht". Im Gegensatz dazu, wenn ich mal so zurückdenke, waren Sachen wie Faust, Kabale und Liebe oder Romeo und Julia gar nicht so furchtbar ^^

    Liebe Grüße <3

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ohja, Schulbücher... :D
      Ich glaube, wir haben da die gleiche Einstellung :D

      Von deinen Klassikern habe ich aber noch nichts in der Schule gelesen. :)

      Liebe Grüße zurück ♥♥

      Löschen
    2. Sei froh xD

      Ich dachte, Romeo und Julia liest man überall? Was hat man euch denn noch so zugemutet, außer diesem Krebsgangbuch?

      Löschen
    3. Nö, bei uns nicht :D

      Bei uns gab's Grete Minde, Stern ohne Himmel, Blauvogel, die Outsider, Reigen, Frühlings Erwachen, die Räuber äh ja, sowas halt xD

      Löschen
  2. Bis auf "Die Räuber" sagt mir das alles mal gar nichts :D
    Ich gehe davon aus, dass nichts davon wirklich lesenswert war?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Frühlings Erwachen ist eigentlich ziemlich gut, der Rest eher nicht so xD

      Löschen